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Infrarotkabine: Welche Wirkung belegt ist und welche nicht

Infrarotkabinen arbeiten mit 45 bis 60 Grad statt mit 80 bis 100 Grad. Was die Wärme im Körper bewirkt, welche Versprechen der Hersteller Studien standhalten, wie sich die Kabine von der finnischen Sauna unterscheidet und wer vorher ärztlich fragen sollte.

Von Redaktion 9 Min. Lesezeit

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Leere Infrarotkabine aus hellem Holz mit sechs senkrecht leuchtenden Strahlern an der Rückwand und einer Sitzbank davor
Foto: solskin / Pixabay, Pixabay-Inhaltslizenz

Die Wirkung einer Infrarotkabine beruht auf Wärme: Strahler erwärmen die Haut direkt, die Luft bleibt mit 45 bis 60 Grad Celsius deutlich kühler als in der finnischen Sauna mit 80 bis 100 Grad. Belegt sind entspannte Muskeln und in kleinen Studien weniger Schmerzen und Vorteile bei Herzschwäche. Für Entgiftung, Cholesterinsenkung und Abnehmen fehlt ein brauchbarer Nachweis.

Die Temperaturangaben stammen aus einer systematischen Übersichtsarbeit von Hussain und Cohen (2018), die 40 Studien zum regelmäßigen Trockensaunieren ausgewertet hat. Nur 13 davon waren randomisiert, die meisten hatten weniger als 40 Teilnehmende. Das ist eine dünne Grundlage für die langen Nutzenlisten, mit denen Kabinen verkauft werden.

Wer eine Herz-Kreislauf-Erkrankung hat oder schwanger ist, klärt die Nutzung vorher ärztlich. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) rät außerdem: keine Kabine nach Alkohol oder Drogen und nicht unter Medikamenten, die das Schmerzempfinden dämpfen. Brustschmerz, Herzrasen oder starker Schwindel in der Kabine heißt sofort aufhören. Hält der Brustschmerz an, ist das ein Fall für den Notruf 112.

So wärmt eine Infrarotkabine

In der finnischen Sauna heizt ein Ofen die Luft auf, und die heiße Luft gibt ihre Wärme an den Körper ab. Die Infrarotkabine arbeitet umgekehrt. Ihre Strahler senden Infrarotstrahlung aus, die von der Haut aufgenommen wird; dabei geraten Moleküle in Schwingung und es entsteht Wärme, so beschreibt es das BfS. Die Luft wird nur nebenbei warm.

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Mediadaten

Wie tief die Strahlung eindringt, hängt von der Wellenlänge ab. Je kürzer die Wellenlänge, desto tiefer. Das BfS unterscheidet drei Bereiche:

BereichWellenlängeEindringtiefe laut BfS
IR-A (kurzwellig)780 bis 1.400 nmbis etwa 5 mm, bis in die Unterhaut
IR-B1.400 bis 3.000 nmweitgehend in der Oberhaut
IR-C (langwellig)3.000 nm bis 1 mmweitgehend in der Oberhaut

Kabinen arbeiten mit IR-A, IR-B, IR-C oder Kombinationen davon. Tiefer reicht die Wärme durch Wärmeleitung im Gewebe. Ein Punkt, den Werbetexte selten erwähnen: Die Hitze- und Schmerzfühler sitzen dicht unter der Oberhaut und sprechen auf IR-A schwächer an als auf IR-B und IR-C. Kurzwellige Strahler fühlen sich deshalb milder an, als sie das Gewebe tatsächlich erwärmen.

Oberhaut Lederhaut Unterhaut IR-C IR-B IR-A bis ca. 5 mm Skizze, nicht maßstäblich
Je kürzer die Wellenlänge, desto tiefer dringt Infrarot in die Haut ein. Werte nach BfS. Grafik: Redaktion

Die Wattzahl im Prospekt sagt wenig. Laut BfS hängt die Strahlung, die pro Quadratmeter Haut ankommt, davon ab, wie die Strahler eingebaut sind und wie weit der Körper davon entfernt ist. Wer näher an einem Strahler sitzt, bekommt mehr ab.

Infrarotkabine oder Sauna: der Vergleich

Die finnische Sauna ist laut Hussain und Cohen die am besten untersuchte Form des Saunierens. Zur Infrarotkabine liegen vor allem kleine Studien vor, viele davon aus Japan zur sogenannten Waon-Therapie. Die Tabelle stellt die Unterschiede nebeneinander.

MerkmalInfrarotkabineFinnische Sauna
Lufttemperatur45 bis 60 °C80 bis 100 °C
Luftfeuchtetrocken, kein Aufguss10 bis 20 %, Aufguss möglich
WärmeübertragungStrahlung auf die Hautheiße Luft
Dauer je Sitzungin Waon-Studien 15 minin Studien 5 bis 20 min
Abkühlenlauwarm duschenkalt üblich, für Herzkranke tabu
Strom je Nutzung (Beispiel unten)bis 0,56 €bis 7,49 €

Wie stark eine finnische Sauna den Kreislauf fordert, hat die Deutsche Herzstiftung beziffert. Bei 70 bis 80 Grad und 15 bis 20 Minuten steigt die Körperkerntemperatur um bis zu 2 Grad, der Puls um 20 bis 50 Prozent und die Herzleistung um rund 80 Prozent. Vergleichbare Messwerte für Infrarotkabinen gibt die Herzstiftung nicht an. Sie beschreibt die Infrarotsauna aber als „leichte Überwärmung des Körpers in trockener Luft“ mit moderater Wärme.

Wer intensive Hitze, Aufguss und den Wechsel mit kaltem Wasser sucht, ist in der Sauna besser aufgehoben. Wer Hitze schlecht verträgt, wenig Platz hat oder einfach länger in milder Wärme sitzen will, kommt mit der Infrarotkabine besser zurecht.

Was die Studien zur Wirkung zeigen

Ein kanadischer Übersichtsartikel von Beever (2009) hat die Gesundheitsversprechen für Infrarotkabinen gezielt überprüft. Sein Ergebnis: Die Belege für die Aussagen der Hersteller sind begrenzt. Die folgende Tabelle ordnet die häufigsten Versprechen ein.

VersprechenStudienlageQuelle
Entspannte Muskelnplausibel, medizinisch genutztBfS
Herzschwächekleine Studien, kurzfristig günstigHerzstiftung, WAON-CHF
Blutdruck senkenbegrenzt, mäßige EvidenzBeever 2009
Chronische Schmerzeneinzelne StudienBeever 2009, Oosterveld 2009
Abnehmenschwach, eine StudieBeever 2009
Cholesterin senkenwiderlegtBeever 2009
Entgiften durch SchweißBeitrag geringBaker 2019

Muskeln und Schmerzen

Infrarotstrahlung kann die Durchblutung vor Ort fördern und die Muskelspannung senken, schreibt das BfS. In der Medizin wird sie seit langem bei Muskelschmerzen und Verspannungen eingesetzt. Ob Wärme bei einer bestimmten Erkrankung hilft oder schadet, muss laut BfS aber im Einzelfall ärztlich beurteilt werden.

Eine niederländische Pilotstudie von Oosterveld und Kollegen (2009) behandelte je 17 Menschen mit rheumatoider Arthritis und mit Morbus Bechterew vier Wochen lang mit acht Infrarotsitzungen. Schmerz und Steifigkeit gingen während der Sitzungen messbar zurück, die Krankheitsaktivität stieg nicht. Über die vier Wochen besserten sich die Beschwerden zwar spürbar, aber nicht statistisch gesichert. Ohne Kontrollgruppe bleibt das ein Hinweis, kein Beweis.

Herz und Kreislauf

Die beste Studie stammt aus Japan. In der WAON-CHF-Studie (2016) erhielten 76 Menschen mit fortgeschrittener Herzschwäche zehn Tage lang täglich eine Infrarotsitzung: 15 Minuten bei 60 Grad, danach 30 Minuten Bettruhe unter einer Decke. Im Vergleich mit 73 Kontrollpatienten besserten sich die Gehstrecke im 6-Minuten-Test und die Einstufung der Beschwerden. Der Laborwert BNP sank, aber nicht statistisch gesichert. Schwere Nebenwirkungen traten nicht auf.

Die Deutsche Herzstiftung hält Infrarotsitzungen nach diesem Muster bei Herzschwäche für möglich und wahrscheinlich kurzfristig günstig, als Ergänzung zur Therapie und nicht als Ersatz. Daten zu langfristigen Effekten fehlen nach ihrer Einschätzung.

Entgiften und Abnehmen

Das Entgiften ist das hartnäckigste Werbeversprechen. Eine Übersichtsarbeit von Baker (2019) zur Physiologie des Schwitzens kommt zu einem klaren Schluss: Über den Schweiß scheidet der Körper im Vergleich zu Nieren und Darm nur wenig Abfallstoffe und Schadstoffe aus. Die Schweißdrüsen konzentrieren solche Stoffe nicht. Studien, die mehr behaupten, beruhen nach Baker eher auf Messfehlern.

Was nach einer Sitzung auf der Waage fehlt, ist Wasser. Es kommt mit dem nächsten Glas zurück. Für eine Fettabnahme fand Beever nur eine einzige Studie mit schwacher Aussagekraft.

Haut und Schönheit

Kurzfristig sieht die Haut nach einer Sitzung rosiger aus, weil sie stärker durchblutet ist. Anhaltende Rötungen sind dagegen ein Warnsignal: Das BfS rät, dann keine weiteren Infrarotbestrahlungen mehr zu machen und ärztlich nachzufragen. Die Herzstiftung empfiehlt, trockene Haut nach der Sitzung einzucremen.

Bei kurzwelligem Infrarot gibt es eine Kehrseite. Forscher um den Düsseldorfer Umweltmediziner Krutmann (2016) zählen kurzwelliges Infrarot, wie es im Sonnenlicht vorkommt, zu den Umweltfaktoren, die die Haut vorzeitig altern lassen. Ob die Dosen einer Heimkabine dafür ausreichen, lässt sich aus diesen Daten nicht ablesen. Abstand zu IR-A-Strahlern und kurze Sitzungen halten die Dosis jedenfalls gering.

Anwendung: eine Sitzung in sieben Schritten

  1. Kabine nach Herstellerangabe vorheizen.
  2. Kurz warm duschen und gründlich abtrocknen, Cremes und Öle vorher abwaschen.
  3. Auf ein Handtuch setzen, mit etwas Abstand zu den Strahlern. Die Augen nicht direkt in kurzwellige Strahler richten, das BfS nennt sie besonders empfindlich gegenüber Wärme.
  4. Beim ersten Mal 10 bis 15 Minuten bleiben. Die Herzstiftung beschreibt für Herzpatienten ein Muster von 15 Minuten bei 60 Grad.
  5. Bei Unwohlsein, Schwindel oder Herzklopfen die Sitzung beenden, unabhängig von der Uhr.
  6. Lauwarm abduschen und danach ruhen, in der Waon-Therapie sind es 30 Minuten.
  7. Wasser oder ungesüßten Tee trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen.

Die Herzstiftung warnt vor starker Entwässerung durch zu lange und zu heiße Sitzungen, besonders bei Nierenschäden. Herz- und Gefäßkranke meiden nach ihrem Rat jede plötzliche Kälte, also kalte Dusche und Eisbad.

Rechenbeispiel: Stromkosten pro Nutzung

Infrarotkabinen brauchen deutlich weniger Strom als eine Elektrosauna. Für eine Abschätzung reicht die Anschlussleistung vom Typenschild. Der Haushaltsstrompreis lag laut BDEW-Strompreisanalyse im bisherigen Jahresverlauf 2026 bei durchschnittlich 37,0 Cent je Kilowattstunde (Stand August 2026).

Annahmen für das Beispiel: eine Infrarotkabine mit 2,0 kW, 15 Minuten Vorheizen und 30 Minuten Nutzung. Dazu eine Elektrosauna mit 9-kW-Ofen, 45 Minuten Aufheizen und 1,5 Stunden für drei Gänge.

  • Infrarotkabine: 2,0 kW × 0,75 h = 1,5 kWh; 1,5 kWh × 0,37 € = 0,56 €
  • Elektrosauna: 9 kW × 2,25 h = 20,25 kWh; 20,25 kWh × 0,37 € = 7,49 €

Beide Werte sind Obergrenzen. Sobald die Zieltemperatur erreicht ist, schaltet das Thermostat die Heizung zeitweise ab, der echte Verbrauch liegt darunter. Am Verhältnis ändert das wenig.

Wer vorher ärztlich abklären lässt

  • Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, etwa Herzschwäche, koronarer Herzkrankheit oder Bluthochdruck. Das BfS und die Herzstiftung raten zur Absprache, die Herzstiftung ausdrücklich auch mit Blick auf die Medikamente.
  • Wer Medikamente nimmt, die das Schmerzempfinden herabsetzen. Laut BfS kann dann das natürliche Warnsignal gegen zu viel Hitze versagen; unter solchen Mitteln rät das Amt von Wärmekabinen ab.
  • Menschen mit großen Narben. Im Narbengewebe kann das Schmerzempfinden fehlen.
  • Menschen mit Nierenerkrankungen, wegen des Flüssigkeitsverlusts.
  • Schwangere, die eine Kabine nutzen möchten, besprechen das vorher in der frauenärztlichen Praxis.
  • Männer mit Kinderwunsch: Eine kleine Studie mit zehn Teilnehmern in der finnischen Sauna fand eine gestörte Spermienbildung, die sich nach dem Absetzen des Saunierens zurückbildete (Hussain und Cohen 2018).

Nicht in die Kabine gehört, wer Alkohol getrunken hat. Die Herzstiftung nennt zusätzlich Potenzmittel wie Sildenafil und rät Herzpatienten, anfangs nicht allein zu gehen.

Häufige Fragen

Wie oft darf man in die Infrarotkabine?

Eine feste Obergrenze gibt es nicht. In der japanischen Waon-Therapie saßen Herzpatienten fünfmal pro Woche über zwei bis vier Wochen in der Kabine, wie die Herzstiftung zusammenfasst. Gesunde orientieren sich am eigenen Befinden; wer danach müde und ausgelaugt ist, macht mehr Pausen.

Soll man vor und nach der Infrarotkabine duschen?

Ja. Vorher, weil saubere und trockene Haut gleichmäßig warm wird und das Holz sauber bleibt. Danach lauwarm, um den Schweiß abzuspülen. Ein kalter Guss ist für Gesunde möglich, für Herzkranke nach der Herzstiftung tabu.

Ist eine Infrarotkabine bei einer Erkältung geeignet?

Bei Fieber besser nicht, denn die Körpertemperatur ist dann schon erhöht und die Kabine heizt zusätzlich. Bei leichtem Schnupfen ohne Fieber hängt eine kurze Sitzung vom Befinden ab. Ob Wärme bei einer bestimmten Erkrankung sinnvoll ist, gehört laut BfS in ärztliche Hand.

Liegen oder sitzen?

Die meisten Heimkabinen sind zum Sitzen gebaut. Wichtiger als die Haltung ist ein gleichmäßiger Abstand zu den Strahlern, denn er bestimmt laut BfS mit, wie viel Strahlung auf die Haut trifft.

Was ist gesünder, Sauna oder Infrarotkabine?

Ein Sieger lässt sich aus den Studien nicht ableiten. Die finnische Sauna ist besser untersucht und fordert den Kreislauf stärker. Die Infrarotkabine ist milder und hat für Herzschwäche die gezieltere Forschung. Wer Hitze schlecht verträgt, fängt mit der Kabine an.

Fazit

Eine Infrarotkabine ist eine milde Wärmeanwendung, die Muskeln entspannt und den Kreislauf weniger fordert als die finnische Sauna. Für Herzschwäche und rheumatische Schmerzen gibt es ermutigende, aber kleine Studien. Entgiftung, Cholesterinsenkung und Abnehmen sollten beim Kauf keine Rolle spielen. Sinnvoll ist ein Start mit 10 bis 15 Minuten, Abstand zu den Strahlern und anschließender Ruhe; mit Herzerkrankung erst nach Rücksprache mit Hausarzt oder Kardiologe.

Quellen

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